Natürlich, immer hat alles auch persönliche Bezüge. Ich kann sie auch in Martina Flucks schönem Dokumentarfilm über Theodor Storm entdecken, der heute Vormittag seine Abaton-Premiere hatte. Die Idee, Texte eines Autors im Rahmen seiner Zeit zu beobachten, zu fragen, unter welchen Umständen sie entstanden sind, hat mir schon während meines Studiums (u.a. bei Dietz-Rüdiger Moser) eingeleuchtet – in diesem Streifen ist sie konsequent umgesetzt. Ein bisschen st-eif wirkt die Rahmenhandlung mit der Studentin Vivien Buchhorn, die sich wie eine Moderatorin durch die einzelnen Kapitel des Films fragt und mit Gerd Eversberg ausführlich über Storm redet. Wunderschön die Umsetzung in Bilder – Jürgen Hoffmann hat einen ganz großartigen Job gemacht.
Trotz aller persönlichen Bezüge: Zu wenig, zu undeutlich blieb mir herausgearbeitet, was Storm heute lesenswert macht. Ist es nur die Häwelmann-Geschichte, die nahezu jeder als Kind gelesen oder dem eigenen Nachwuchs nahegebracht hat? Oder ist da noch mehr? Andererseits stellt die Regisseurin durchaus eine Möglichkeit vor, wie Autoren der Vergangenheit, von denen es allenfalls Fotos, aber keine bewegten Bilder gibt, “verfilmt” werden können.
Die Sonntagsvormittagsvorstellung im Abaton war gut besucht, angesichts der grimmigen, ja ätzenden Kälte ist das durchaus erwähnenswert. Das Gespräch mit Beteiligten des Films im Anschluss angenehm. Nun macht sich der Streifen auf den Weg nach Süden.
