Sonnabends in H.



Müde schliefen die Enten am See. Wir ließen den Winterpark schnell hinter uns: die flanierenden Hunde, die Bank zum Füßebaumeln. Dann die Hochhausklinik mit den Rauchern davor, das Hotel mit der Automatikampel, die wartenden Taxifahrer am Kurhaus. Weggeräumte Puppen, frierende Zirkusleute, die Jungs an der Kneipenecke in der Fußgängerzone. Bad H. schläft am Sonnabend wie jede andere, große Stadt, und das ist nicht ohne Charme.“Heute nur Kännchen!“ bellt die Kellnerin, die ihre Standardsummen auswendig gelernt hat („zwanzicheurozehn!“). Aber die Torte gibt sich sahneüppig mit Kakaopulverstreu, wir schlappen durch das Schloss und pfeffern die Puschen in die Kiste, als wir gehn. Würden wir hier wohnen wollen? So ausgestellt und leblos? Ach was: Unser Leben hier ist Ausnahme, Kloster, Nachdenkzeit, Atemholen. Die Orgel in der Kirche dröhnt mich fast vom Stuhl und manche, die hier auf die Kanzel gehen, treffen den Ton.

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