Was ist blau? Und gelb? Und weiß?



Wie nimmst Du das Blau dieser Buchstaben wahr? Oder das Weiß Deines Computerbildschirms? Unterwegs durch die Ausstellung „see-hafen“ mit Ölbildern von Regine von Bredow, fällt mir genau diese, mich schon lange begleitende Frage ein. Ihr Blau, in das sie den Hamburger Hafen taucht, ist ein anderes als das auf meinen Fotos und vor meinem inneren Auge (da ist der Hafen sowieso selten blau – eher grau, manchmal weiß, dann wieder nächtlich). Ein zweiter Gedanke: Ich glaube, dass man die Bilder Regine von Bredows als EIN Bild sehen muss. Immer wieder kommt eine Mischung aus Blau und Weiß, ein wenig angereichert mit Gelb vor – als hätte sich dieser Eindruck eingebrannt, festgelegt. Ihr Stil des dickfarbigen Ölmalens will mir im ersten Moment vorkommen wie schon mal gesehen – im näheren Betrachten wird es deutlich: Sie tut ihr’s dazu, macht Neues – übrigens meistens schmerzfrei, überwiegend heiter, fast ohne Drama. Regine von Bredow scheint eine heitere Frau zu sein.
Dass die Malerin in der Vernissage zur Musikerin wird und singt, kommt nicht allzu häufig vor. Sie covert Ina Müller, singt Siegfried Holländers „So oder so ist das Leben“, hat Spaß an „Kann den Liebe Sünde sein?“. Am Anfang des Programms ein wenig eilig, dann gelassener – in den tieferen Lagen klingt ihre Stimme am schönsten;- Begleiter Rainer Holzapfel blieb weithin blass.
All das fand und findet in einem tollen Fritz-Schumacher-Bau, der Finanzbehörde am Hamburger Gänsemarkt, statt. Staatsrat Jens Lattmanss Begrüßung war sympatisch persönlich, Kunsthistorikerin Ulrike Finke-Duggen zeichnete Regine von Bredows Weg in die Malerei nach. Im sonstigen Leben ist diese u.a. für das grafische Erscheinungsbild des Werbematerials der Hamburger Kinder- und Jugendkantorei verantwortlich.
An diesem Platz auszustellen, ist aus mehrfachen Gründen richtig: Die Innenarchitektur des vom Vorbeifahren wohlvertrauten Schumacherbaus entpuppt sich nicht nur als sehenswert, sondern sie hat auch Witz (es wird dort vor frischem Bohnern gewarnt, wo auch Teppich liegt – das ist nur ein Detail). Kunst ohne Museumsschwelle zu zeigen, für jeden und jede, sollte noch häufiger passieren und viel wichtiger genommen werden. Fazit: Sehr lohnend.

Kunst im Gange, Regine von Bredow, „see-hafen“, bis 31.10.2014 in Hamburgs Finanzbehörde am Gänsemarkt. U2, Busse 4,5, 109, 36 – Mo-Do, 9-18.30 Uhr, Fr bis 17.30 Uhr

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