Nachtkritik (2): David Safier beim Harbourfront-Festival


nachtkritikVielleicht war Frank Engelbrechts Einführung in diesen Abend sogar am eindringlichsten, in der er seine St.-Katharinen-Kirche als ein Stein gewordenes Zeugnis dafür, dass es nie mehr Krieg geben darf, beschrieb. Im Mittelpunkt stand David Safier, der aus seinem „28 Tage lang“ las – ein Warschauer-Ghetto-Roman. Gab es da nicht schon etwas? Ja: Jurek Beckers „Jakob der Lügner möchte man am ehesten assoziieren. Aber: Vielleicht braucht jede Generation ihren Ghetto-Roman. Vielleicht muss immer wieder aufgeschrieben werden, was Menschen sich antun – unter Vorwänden, entfesselt, gemein, brutal. Insofern ist auch Safier eindrucksvoll, wenn auch – literarisch gesprochen – die Rolle der allwissenden, 16-jährigen Icherzählerin nicht gänzlich einleuchten will. Was fehlte? Die Klugheit in der Moderation (Bettina Tietjen), die das Geschehen in die Gegenwart hinüberwies: Zwar ist die Shoa in all ihrer Widerwärtigkeit ohne Beispiel, aber auch heute, jetzt und an vielen Orten werden Menschen massenhaft umgebracht. Grundlos. Und ohne, dass jemand wirklich einschreitet.

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