Nachtkritik: Wenn man das Klangideal erreicht


diese kinder

panorama
Es gab Gänsehautmomente an diesem Abend: Wenn die Kinder- und Jugendkantorei „Ich sehe Dich mit Freuden an, und kann mich nicht sattsehen . . .“ singt, und ihr Klang – einmal mehr – so absolut rein und klar ist. „Liebe, alte Weihnachtslieder“, die älteste jährliche Konzertveranstaltung in Hamburg, die es seit 1939 gibt, wird ein langes Leben haben, solange dieser Kinderchor ihr Grundstock ist.
Doch von vorn: Der musikalische Bogen dieses Abends spannt sich vom Advent („Nun komm, der Heiden Heiland“) zum Weihnachtsfest („Es ist ein Ros‘ entsprungen, der „Quempas“). Dazwischen eine bunte Fülle Musik: Schütz‘ Weihnachtshistorie in Auszügen (Sopranistin Martina Hamberg-Möbius kämpfte mit der Akustik, auch Tenor Sven Olaf Gerdes wirkte hier und da im Lauf des Abends ungewöhnlich angestrengt), Chormusik aus vielen Ländern mit der Compagnia Vocale Hamburg unter Hans-Jürgen Wulf – ein hübsch besetztes, aber teilweise schlecht disponiertes Begleitensemble (zwei Blockflöten, zwei Geigen, Fagott, Viola, Cello, Orgel und ein schön-satt klingendes Blechbläserquintett) lieferten den Grundstock, sofern die beiden Chöre nicht acapella musizierten.
Zwischendurch zogen die Kinder nach auf die Orgelempore: Und sangen zum Beispiel Rolf Schweizers schönes „Dunkel der Stall und dunkel die Nacht“.
Johann Sebastian Bachs „Ich steh an Deiner Krippen hier“, im Wechsel von den Chören und den Gemeinden gesungen, war – wie gesagt – wunderbar. Auch Claus Bantzers Satz von „O Jesulein zart“ gefiel, und „O Betlehem du kleine Stadt“ macht(e), wenn man genau hinhört, die ganze Dimension des Weihnachtsfestes (und nicht nur eine ominöse Weihnachtsstimmung) deutlich.
Und überhaupt: Dieser Kinderchor singt – auswendig und auf Latein – den ganzen Quempas. Und er tut das über die Kirche verteilt: je zwei Gruppen auf den Emporen und im Altarraum. Auch, wie sich diese Kinder in der Kirche zu bewegen wissen, wie sie konzentriert sind, nötigt mir immer wieder tiefen Respekt ab. Hinzu kommt: Sie haben in diesem Jahr mit sechs anderen Chören gemeinsam musiziert, und das hat schon fast professionelles Niveau.
Auch die Compagnia bewältigte ein großes Programm – aber, gemessen an den Kindern – weit zurückhaltender, blasser. Schade eigentlich.

Die nächsten Termine des Ensembles gibt es hier. Und am 19. Dezember um 19 Uhr leitet Sabine Paap im Ökumenischen Forum in der Hafencity mit Meerstimmig eine Offenes Singen: „Seht die gute Zeit ist nah“.

 

(PS und nebenbei: Dass immer mehr Kerle nicht mehr wissen, wie man sich in einer Kirche zu verhalten hat, fängt mich an zu ärgern. Mann trägt dort keine Mütze – so einfach ist das! Auch kein Basecap, keinen Hut, nichts eben!)

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