Es ist einfach widerlich



Ich höre zwei Frauen im Bus zu. Die von ihren eigenen Fluchtgeschichten erzählen aus dem Großen Krieg, gleich zweimal hätten sie nach Westen ziehen müssen. Nein, sie haben nichts für die übrig, die jetzt nach Deutschland kommen. Selbst unter denen, die aus Kriegsgebieten kämen, seien Wirtschaftsflüchtlinge, „die müssen raus!“ Ich kämpfe mit mir, ob ich sagen soll, wenn Dummheit weh tue, wie laut sie schreien müssten?! Wie kurz, flach und dumm ihr Gelaber sei? Dass ich sie nie und nimmer als Oma für meine Kinder wollen würde? Ich habe wieder geschwiegen. Aber muss man nicht klare Kante zeigen? Dass es doch eine Ehre ist, dass die Leute uns wert finden, zu uns zu fliehen, bei uns Schutz zu suchen? Dass niemand gern seine Heimat verlässt, schon gar nicht für den jämmerlichen Empfang, den die deutsche Asylbürokratie bietet? Das sollen Wirtschaftsflüchtlinge sein, die Ertrinkungsgefahr, Stacheldrahtzäune, perfide Grenzkontrollen, Zeltlager mit Krätze, erzwungene Beschäftigungslosigkeit und andere, vielfache Entwürdigung auf sich nehmen? Da sind die widerlichen Papierkörbe, die ich kurz vorher aufnahm, schon harmlos dagegen, eigentlich.

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