Konstantin Wecker in St. Katharinen


konstantin wecker in katharinen

Nach Ende der Veranstaltung, die NDR Info und die Zeit-Stiftung verantworteten, suchte Wecker das direkte Gespräch. Foto: fbt

Es ist schon ein recht eigentümliches Gefühl, wenn sich zwei Welten, die mir vertraut sind, treffen: Konstantin Wecker in „meiner“ Kirche, der schönen St. Katharinen. Zusammen mit Hauptpastorin Ulrike Murmann ließ er sich von Ulrike Heckmann vor einer bis auf den letzten Platz besetzten Kirche befragen: „Scheitern erlaubt! – Vom Fallen und Wiederaufstehen“.  Wer Weckers Lieder kennt, dem kam sicher manches bekannt vor, dennoch gab es Einsichten: Zyniker hätten aufgegeben, sie bräuchten immer Publikum, „ironisch sein kann man ganz für sich allein“ (Wecker). Menschen mit starkem Selbstbild kämen mit Scheitern schlecht klar. Auf seinen Titel „Wut und Zärtlichkeit“ angesprochen, meinte Wecker: „Zur Zeit ist es wahnsinnig wichtig, wütend zu sein, und zwar auf der richtigen Seite“.

Immer wieder Beifall. Ulrike Murmann fand es einen großen Schritt, über das eigene Scheitern zu sprechen, das Wort schaffe Distanz, dies sei eine „erste, entlastende Erfahrung“. Schön auch die kurze Lesung aus Weckers Buch „Die Kunst des Scheiterns“, die eine kurz aufblitzende Erinnerung an seinen Freund Dieter Hildebrandt war: Er schreibe, spottete dieser, über seine Erfolge.

Natürlich kam auch Weckers Drogenerfahrung zur Sprache – immer wieder münzt Wecker solche Fragen um, betont ein ums andere Mal, die Verhaftung habe er herbei gesehnt. Von tröstender Schönheit, anders kann man es nicht sagen, dann der Satz, es gebe etwas Unverwundbares in einem Selbst, der Zeuge in einem. Sind das tatsächlich religiöse Gefühle, wie Ulrike Murmann entgegnete? Er sei aus der Kirche ausgetreten, aber ein religiöser Mensch, er halte es mit Meister Eckhart (nicht Gott, die Gottheit), sei aber „ein großer Freund des Nazareners“. Und der Liedermacher berichtete von einer kurzen Depression, man „sei nicht mehr angebunden“, selbst umgebracht habe er sich nicht, weil sich damit „nichts geändert“ hätte.

Es ist ein schönes Hin und Her, mit dem sich Ulrike Murmann und Wecker die Bälle zuspielen, Ulrike Heckmanns Fragen bleiben blass. Beide, die Pastorin und der Poet, machen klar, dass Scheitern wichtig ist, dazugehört, sein muss. Sie suchen Brücken zueinander, sind politisch – Murmann: „Wie wir Flüchtlinge in Europa willkommen heißen, da scheitern wir auf ganzer Linie!“ – Wecker: „Ich könnte mir eine Welt ohne Sophie Scholl nicht vorstellen“. Wecker stellt klar, dass sich Poesie jeder Form der endgültigen Interpretation entzieht. Kurz: Ein wunderbarer Abend, der mit zwei Wecker-Liedern endet. Ob dieser der Einladung der Hausherrin, auch mal St. Katharinens Kanzel zu besteigen, annimmt, bleibt abzuwarten.

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