Stadtgang an Bahngleisen


 

– Schwarze, kurze Haare, ein kurzes Kleid, klug ausgewählter Schmuck, Selbstbewusstsein. Oder sie: Hochgeschlossen schwarz mit großen Knöpfen, rot geschminkte Lippen, ein roter Rock, streng gekämmte Haare, der Blick eher maskenhaft. Ein Mann rempelt einen Fremden an: „die Ossis haben sich bei uns breitgemacht“, und seine Nase ist rot. Du denkst nur, dass das Eis dünn ist.
– Er steht im Hochsommer in grünen Gummistiefeln, Jogginghose und Basecap am Bahnsteig, die Stiefel wollen nicht passen: „Wir brauchen keine Gefängnisse, haben Lärmschutzwände“, steht da. Man kann jetzt ganz durch den langen Zug wandern, der sich gerade durch die Kellerkurven windet. Und da vorn richtet eine schwarzhaarige Frau ihren langen Zopf. Er schaut ihr ins Dekolleté bis zum Nabel, so ist das eben. Und ihre Brüste wippen in Synkopen zum Takt ihrer Beine, schreib den Rhythmus mal auf.
– Die zerhackten Sätze der Bahnansagen, das schweigende Telefon, die vielen unbenutzten Stühle, das Geschirr. Ein Hund schnüffelt neugierig: Wer das wohl ist, später sind sie weggefahren. Abends trinkst Du Sommerwein, wie immer allein.

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