So viele böse Geister kann es ja gar nicht geben



Es murmelt, dann pfeift es. „Toktoktoktok““ – das kommt aus der nächsten Straße. Ich gehe durch eine Fußgängerzone in Billstedt, es nieselt – sonst stänke es infernalisch – drei Stunden vor Mitternacht. Dann rummst es, einmal kurz, der Knall wird von den Hauswänden verstärkt, zurückgeworfen, vervielfacht. Raketen zerreissen den Himmel, Pfiffe ziehen durch die Nacht, so muss sich Krieg anhören. Ach ja: Papierkörbe sind schon seit Stunden hoffnungslos überfüllt.
Welche bösen Geister die Leute nur vertreiben wollen. Wonach die jungen Leute wohl suchen, die sich da auf den Weg in die Stadt machen.
Nein, ich messe den Lärm nicht nach. Sonst Vergleiche? Verdis „Dies irae“ wirkt wie nette Kaffeehausmusik, auch die wildesten Ausbrüche von Tschaikowskys „Manfred“-Sinfonie. Wenn Empathie die Fähigkeit zur Nähe ist, dann ist dieser widerliche Krach die Geräuschwerdung des Gegenteils, eine unerträgliche Kakophonie, ein abscheuliches Geräusch (Missklang wäre viel zu positiv). Und überhaupt: Die bösen Geister werden nicht weg sein. Wir gehen mitnichten ab morgen nur noch nett miteinander um.

Das mag die einzige Hoffnung sein: Ab übermorgen ist der ganze Rummel dann vorbei. Wer nimmt mich das nächste Mal auf?

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