REZENSIONEN – Aus Kirche und Kultur

Die Welt kann auch mal heil sein

Wie Zimbelsternchen und Kinderkantorei I der Hamburger Kinder- und Jugendkantorei den Frühling besingen

Es raunt an diesem Sonnabendnachmittag in Hamburgs Hauptkirche St. Petri. Es ist ein wunderbares Geräusch – Kinder mit Eltern, Geschwistern, Großeltern bevölkern die Bänke. Petri-Pastor Rolf-Dieter Seemann hat seine Enkelin auf dem Arm. Auch eine (mindestens) fünfköpfige Familie, die ich schon in der U-Bahn beobachtet hatte, sitzt im Kirchenschiff. Die Zimbelsternchen sind Kinder, die zwischen vier und fünf Jahre alt sind (oder gerade sechs), die Kinderkantorei I ist ein klein wenig älter: Schulanfänger. Mindestens fünf Reihen Mädchen und Jungs werden aufgestellt. „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“ erklingt. Rolf-Dieter Seemanns kleine Begrüßung ist eine Einladung, genauer hinzuschauen und hinter den Liedern das Besungene zu entdecken: 60 Milliarden Vögel gebe es auf der Erde, mehr als 4.000 Singvögelarten. Und die kleinen Zweibeiner legen Entfernungen zurück: Sie fliegen schon mal 7.000 km weit oder 11.300 m hoch. Und die kleinen Spatzen, weiß Seemann, fangen pünktlich 18 Minuten vor dem Sonnenaufgang zu singen.

Kantorin Sabine Paap steht am Pult. Ihre Kunst besteht unter anderem darin, die scheinbar abgesungensten ‚Schlager‘  neu zu beleben: „Alle Vögel sind schon da“ hat drei Strophen, und das Publikum kann und soll mitsingen.

„Quodlibet“ lernen die Zuhörer dann, heißt auf Deutsch „Was beliebt“. Das schöne „Es tönen die Lieder, der Frühling kommt wieder“ kann man nicht nur mehrstimmig singen, sondern auch mit „Heut kommt der Hans zu mir, freut sich die Lies'“ kombinieren. In wenigen Minuten verwandelt sich St. Petri in eine klanggewaltigen, äußerst lebendigen Ort. Das gilt auch für „Der Kuckuck und der Esel“: Wir Männer werden aufgefordert, das hübsche Liedechen mit einer schönen Unterstinmme zu versehen: „Kuckuck – i-A“. Und dann lassen die größeren Kinder, wie zuvor die Zimbelsternchen ihre eigenen Künste hören: „Im Schatten einer grünen Linde träumt‘ ich von einer reinen Quinte./Ich dacht bei mir, was mag das sein, dass ich von einer reinen Quinte träum? (…)“

Schön ist auch, dass außenstehende Zuhörer an diesem Nachmittag erleben dürfen, wie persönlich der Umgang in der Kinderkantorei ist: Die kleine Maria verläßt nach zwei Jahren den Chor und zieht aus Hamburg weg – nur für sie erklingt „Viel Glück und viel Segen“, sie bekommt ein Abschiedspräsent und Pastor Seemann segnet das Kind. Immer wieder aktuell bleibt auch  „Die Gedanken sind frei“, zum besonderen Ereignis wird das kleine „Wenn alle Menschen auf der Welt zusammenstehn. . .“ – Sabine Paap schafft es, Publikum und Chorkinder zu einem riesigen Kreis durch die ganze Kirche zu animieren.

Was für ein Konzert – offensichtlich kann die Welt auch mal heil sein, selbst, wenn es nur für eine Stunde ist. Sonja Gläser (Flöten), Alexander Mittmann (Klarinette) und Jonas Kannenberg (Orgel, Klavier) sorgten übrigens für den begleitenden Klangteppich, zuverlässig wie stets. Als alle schon gegangen sind, streift ein Singekind, nennen wir in Max, noch durch die Kirche und schaut sich den Programmzettel an. „Hab ich diese Lieder alle gesungen?“ fragt er seine Mama: Ja, Max, das hast Du.


Eine so ganz andere Sprache

Die Freiheitskantate „Nein, lieber Mensch, so nicht!“ ist jetzt auf CD erschienen

Uwe Steinmetz und Daniel Stickan einen Abend vor der Uraufführung ihrer Kantate während der Einführung in der Hauptkirche St. Petri. Bild: fbt

Wie ist es möglich, Glaubensfragen für die heutige Zeit musikalisch und textlich adäquat auszudrücken? Nein, zu viele Lieder á la „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ sind, vorsichtig ausgedrückt, abgesungen. Sie haben nicht den Tiefgang eines Paul Gerhardt und nicht die Grundsätzlichkeit eines Martin Luther. Uwe Steinmetz und Daniel Stickan haben sie mit ihrer Freihetskantate „Nein, lieber Mensch, so nicht“ gefunden, diese wurde am 2. November 2014 uraufgeführt und jetzt liegt die Einspielung genau dieser Aufführung vor.

Steinmetz und Stickan verbinden Luthers Texte und Lieder mit heutiger Musik. Geht das? Ja, und das aus mehreren Gründen: Steinmetz‘ Saxofon „umspielt“ die scheinbar alten Klänge auf eine sehr schöne Weise – im besten Sinn musikalisch, hochmelodiös und – wenn der Ausdruck hier erlaubt ist – im besten Sinn tröstlich. Die 15-teilige Kantate nimmt nicht nur Texte (Pastor Frank Engelbrecht als ausgezeichneter Rezitator) und Lieder auf, sie bricht sie auf, sie konfrontiert sie mit Schmerz, mit Dissonanz, macht sie damit gleichsam weltlich und versteckt sie nicht mehr hinter Kirchenmauern. Trotzdem bleiben Luthers Choräle, die immer wieder gesungen oder zitiert werden, erkennbar, werden mehr mit Tonskalen denn Harmonien begleitet, eigentlich neu gedeutet. An den grundsätzlichen Fragen hat sich ja sowieso nichts geändert, und es ist hilfreich, dass Luthers Schriften wörtlich zitiert werden.
Es musizieren zwei Chöre: Das Hugo-Distler-Ensemble Lüneburg (Leitung: Erik Matz) hält Dissonanzen, und es kostet genau wie die Hamburger Kinder- und Jugendkantorei (Sabine Paap) die theatralischen Momente dieser Kantate („Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht . . .“) aus. Die Sängerin Efrat Ahony geht weg vom „Reproduzieren“, etwas tastend inns Improvisieren hinein. Wirklich erstaunlich ist, dass die Flentrop-Orgel von St. Katharinen, über deren Bach-Kellner-Stimmung nicht immer alle glücklich sind, diese ganz neue Musik nicht nur „verträgt“, sondern unter Daniel Stickans Händen adäquate Partnerin des Geschehens ist.
Eine gute Zumutung

Die Freiheitskantate ist eine Zumutung, und das im besten Sinn. Sie geht überhaupt nicht leicht ins Ohr, verdient es aber, immer wieder neu angehört und studiert zu werden. Die ausgezeichnete CD  – in St. Katharinen herrscht bekanntlich keine einfache Akustik – ist in der „Edition Jazz aus Kirchen“ erschienen. Ich halte sie für einen wesentlichen und wichtigen Beitrag der Beschäftigung mit der Theologie des Reformators, irgendwelche Spielfiguren kommen einem da ziemlich albern und nichtssagend vor.


Das war 2014:

Aufwachsen mit Musik

Morgens (am 5.10.14) waren es die Kleinen in der Hauptkirche St. Petri, nachmittags größere Kinder im Hamburger Hafenmuseum. Die Hamburger Kinder- und Jugendkantorei an St. Petri und St. Katharinen ist fast schon eine eigene Welt: Kinder, die mit Musik aufwachsen. Was kann es Schöneres geben?


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Ja! Nicht einmal eine Woche nach dem hier besprochenen, ausgezeichneten Konzert fanden sich die Currende-Mädchen und Jungs der Hamburger Kinder- und Jugendkantorei mit den „Tafelsängern“, also der Hamburger Liedertafel von 1823, zu einer gemeinsamen Probe im Bachsaal der St.-Petri-Hauptkirche ein. Mir – was nichts heißen muss – hat das gemeinsame Singen mit ihnen gefallen. Wenn unser Konzert am 27. September um 18 Uhr nur halb so gut wird, dann ist es mehr als in Ordnung. Der Süßigkeiten-Nachtisch ging weg wie nichts, wie man hier sehen kann. (11.9.14)


Das setzt Maßstäbe

Wer das nicht gehört und gesehen hat, ist selbst schuld: Dieser ausgezeichnet vorbereitete und bestens aufgelegte Kinderchor unter Sabine Paap, das Jourist-Quartett mit durchaus hörbarer Freude an der Aufgabe der Begleitung, Hannelore Hoger und Patrick Heyn, die Gedichte rezitierten, Pastor Frank Engelbrecht und Produzent Wolfgang Stockmann, die den Abend moderierten, Pianist Philipp Linden, der begleitete, wenn das Quartett schwieg: „Welch ein Singen, Musizieren“ – auf Neudeutsch würde man CD-Release-Konzert sagen – war ein wundervoller Abend in St. Katharinen.
Der Dichte des Programms mag es geschuldet gewesen sein, dass das Tempo zunächst hoch war: Lied auf Lied, Gedicht auf Gedicht folgte schnell. Das Gefühl ließ nach und machte dem Wunsch Platz, daß das Quartett noch einmal spielt. Zwei „Blöcke“ Rezitationen, zwei Sets Ausschnitte aus der CD, dazu Musik des Jourist Quartetts (Geige, Bajan, Gitarre, Baß – so häufig ist das nicht), zusätzlich ein Block aus dem aktuellen Programm des Chors (davon hier demnächst mehr) und kurze Berichte dreier junger Kirgisierinnen – das Konzert fand auch zu Gunsten eines Kinderprojekts in ihrem Land statt.
Bemerkenswert war vielerlei: zu „Weißt Du, wie viel Sternlein stehen“ rezitiert Patrick Heyn ein passendes Gedicht, während die Kinder summen – dann stimmt das Publikum in den Gesang mit ein. Edouard Tachalow spielte eine Geige, die sowohl den süßen Schmerz, als auch entfesselte Virtuosität kennt. Das – wiederum gemeinsame – „Der Mond ist aufgegangen“ ging durchaus zu Herzen.
Das alles setzte Maßstäbe. Produzent Wolfgang Stockmanns Idee, dieses Quartett mit diesem Chor zusammen zu bringen, hat eine ziemlich einzigartige Musik hervorgebracht – engelsgleich singende Kinder hier (und sowas geht nicht einfach von selbst) – unglaublich musikalische Profis dort. Damit, dass man Sabine Paaps Chor wieder hört, darf man schon am 27. September rechnen, dass das Jourist Quartett hat sich an diesem Abend gewiss auch in die Herzen vieler Musikfreunde gespielt und sollte wiederkommen. Wunderbar!


Cover der CD
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Am Freitag, 5. September um 19 Uhr gibt es nun das CD-Konzert in St. Katharinen. Die Kinder- und Jugendkantorei und das Jourist-Quartett unter der Leitung von Sabine Paap und Johannes Huth musizieren. Es lesen Hannelore Hoger, Nina Petri und Patrick Heyn. Karten kosten 10 € (Abendkasse). Davon geht 1 € an „Brot für die Welt“. Vorverkauf ab 18.8. im Büro von Katharinen.


Ein guter Live-Musiker, aber . . . .

Gregor Meyle in St. Katharinen – der Zuspruch so immens, dass sich die Schlange vor dem Einlass über den Hof bis in die nächste Straße zog. Offensichtlich viele Fans im Publikum – Meyle (mit einer sehr guten Band) gewann es schnell, sang den ersten Song ohne Verstärkung – nur so beruhigte sich das Bienenstock-summende Rund.

Doch dann wurde schnell deutlich, dass die Kirche mit ihrer halligen Akustik kein wirklich geeigneter Raum für Liedermacher ist. Die Tiefen kamen (wenigstens bei mir) oftmals nicht klar an, der Klang war raunig, die Texte oft nur nur in Umrissen zu verstehen. Das ist bei einem, wo es auf die Texte besonders ankommen soll, ein Nachteil.

Aber: Soll es auf die Texte ankommen? Das, was ich hörte, war zu oft zu gefällig, zu erwartet: „Nimm Dir Zeit/bis sie vorübergeht“, ähnliches gilt für die Musik. „Du sprichst mit aus der Seele/kennst Dich gut bei mir aus/Wenn ich in Deine Augen schaue/dann weiß ich, ich bin zuhaus“. Schön, wie Meyle das Publikum einbezieht, zum Mitsingen, Mitsummen animiert. Dann wieder Texte, die zwar stimmen, aber dennoch zu banal sind: „Erst wenn Du loslässt/kann ich Dich auffangen“, „wer niemals liebt/verpasst die Show“ – gewiss, alles das unterschreibt auch der Rezensent – aber geht es nicht tiefer, überraschender, noch poetischer?

Nach einem pausenlosen Konzert drei Zugaben. Meyle geht ins Publikum, steigt auf eine Bank, verzichtet auf die Verstärker. Das sind die intimsten, die schönsten Augenblicke dieses Abends, wie er dort steht und alle ihm zuhören, die Gitarre abgelegt ist und das Publikum noch einmal mitsingt.

Nebenbei stellen sich ganz andere Fragen. Bleibt eine Kirche ein sakraler Raum, wenn dort Konzerte stattfinden? Wenn das so ist: Dann sind Transparente des veranstaltenden Bierkonzerns im Altarraum tabu. Dann tragen Männer keine Mütze und keinen Hut (auch die Künstler nicht). Dann ist auch die Kanzel kein Sitzplatz (Ich habe die Treppe bei früheren Anlässen nur zum Fotografieren betreten und immer wieder verlassen.).Hier wäre dringend nachzuarbeiten.


Endlich gefunden: ein Platz für das Kleingeld

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Sie wissen schon: An der Marktkasse ist die schräge Summe nie passend in der Geldbörse. Also einen Schein rausgegrabbelt und die Cents eingesteckt. Jetzt gibt es einen sinnvollen Platz für den Kleinkram: Die Sammelgläser der Hamburger Kinder- und Jugendkantorei. Bis zum Jahresende sollen 450 kg Kleingeld zusammenkommen – das Gewicht der sechs Pastorinnen und Pastoren der Hamburger Hauptkirchen St. Petri und St. Katharinen. Gläser gibt es in den Kirchenbüros und bei Auftritten der Chöre. Gefüllt kann man sie wieder in den Büros abgeben.
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Katharina feiert(e) – und wie!

(4.7.14)Mehrere hundert Menschen feierten gestern auf dem Katharinenkirchhof. Kinder- und Jugendkantorei & Liedertafel, eine „Allstarband“ aus dere Nachbarschaft und die Soultruppe „b-connected“ boten haufenweise Musik. Es gab zu essen und zu trinken, auch das Wetter passte.


Von Wandsbek nach Husum

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(29.6.14)Mit einem Programm, das aus Kirchenmusik von Gounod, Mozart u.a. bestand, beteiligte sich die Chorgemeinschaft St. Josef aus Wandsbek (Leitung & Orgel: Lennart von Schütz) heute an der Messe in der katholischen St.-Knud-Kirche in Husum.


„Sing mit uns“

(25.6.14) Diese Kinder wissen, was ein Quodlibet ist. Sie singen „Die Gedanken sind frei“ – auswendig. Sie sind schlagfertig, manchmal ein bisschen verträumt und ohne Zweifel musikalisch. Heute bekam die Kinder- und Jugendkantorei Hamburg unter Sabine Paap noch einmal Besuch von der Hamburger Liedertafel von 1823 – wir sangen zusammen, löcherten uns gegenseitig mit Fragen und wurden zuletzt mit Süßigkeiten belohnt.


„Wo man singt . . . .“

(20.6.14) Mitglieder der Hamburger Liedertafel von 1823 und eine Gruppe der Hamburger Kinder- und Jugendkantorei fanden sich gestern im Turmsaal von St. Katharinen zu einer gemeinsamen Probe zusammen. Die Kinder hatten sich Fragen an die Älteren überlegt („Wie oft in der Woche singt Ihr?“), das gemeinsame Konzertprogramm vom 27. September wurde probiert und ein paar Lieder konnten wir sogar so. Alle zusammen.

 


Mehr geht kaum

Ein paar Bemerkungen zur Ausgabe 2014 der „Nacht der Chöre“

28 Chöre mit einer unüberschaubaren Zahl von Mitwirkenden adäquat abzubilden, ist kaum möglich. Deshalb nur eine kleine Auswahl. – Pastor Arnd Schomerus, Leiter des Kirchenkreisverbands Hamburg, bedankte sich bei Kantorin Sabine Paap für ihre Arbeit im Amt für Kirchenmusik. Die Musikerin konzentriert sich in Zukunft ganz auf ihre Kinder- und Jugendkantorei an St. Petri und St. Katharinen.

Eine Wagner-Oper, sagen Leute, die es wissen müssen, dauert fünf Stunden. Die „Nacht der Chöre“ hat mehr: neun Stunden. Es ist ein musikalischer Markt der Möglichkeiten – reinhören, dableiben, wiederkommen. Es für „Klassik to go“ , der immer noch inflationären „Verclippisierung“, Kürzung auf hörbare Häppchen zu halten, wäre aber verfehlt: Eher kann sich das Publikum so sehr, wie es möchte und dennoch umfassend darüber informieren, was Hamburger Kinder- und Jugendchöre, „klassische“ Kirchenchöre, Gospelensembles und Bläserchöre zu bieten haben.

Festhalten lässt sich dies: In der Hamburger Chorlandschaft wird eine Menge Wert auf gründliche, musikalische Basisarbeit gelegt. Es gibt Gruppen, die einen fast traumhaften Ton pflegen. Immer wieder wird auswendig gesungen, auch in fremden Sprachen.
Der musikalische Mut ist gewaltig. Anspruchsvoller Höhepunkt waren der Kammerchor Cantico mit dem Vocalensemble Consonanz: Unter Norbert Hoppermanns Leitung wurde zunächst die 40-stimmige Motette „Spem in alium numquam habui“ von Thomas Tallis (ca. 1505-85) und dann die elfstimmige Motette „Vidi speciosam“ von Will Todd in deutscher Erstaufführung gesungen – wirklich exzellent!

Der Männerchor Vocallegro unter Arpad Christian Thuroczy hatte zwar ein sehr klug gewähltes Progranm (zwei Teile aus Schuberts Messe D 872 kombiniert mit Francis Poulenc) zu bieten, ließ es in der musikalischen Gestaltung aber an Nuancen fehlen.

Eine Frage der persönlichen Vorliebe ist, ob man sehr große Ensemble – die Harburger Kantorei wagte sich an Rachmaninow und überzeugte – oder eher kleinere Gruppen vorzieht. Für letztere dürfte es schwieriger sein, die Hauptkirche St. Petri wirklich zum klingen zu bringen – um so beeindruckender, dass in der Chornacht gleich mehrere, wirklich gute, klein besetzte Chöre zu hören waren. „Zu große“ Chöre geraten leicht in die Gefahr, mit ihrer Musik zu erdrücken: der Kantorei der Christuskirche Wandsbek wünschte man für ihren Tallis und den „Dowland-Schlager“ „Come again, sweet love . . .“ deutlich mehr Leichtigkeit.
Schön, dass auch die Gemeinde singen durfte (Gellerts „Gott ist mein Lied! Er ist der Gott der Stärke!“ ist allein schon literarisch hervorzuheben). Überdenken sollte man vielleicht, wie sich die Zeiten zwischen den Chören „überbrücken“ lassen: LKMD Hans-Jürgen Wulf hatte als Moderator eine sehr undankbare Aufgabe, die – was die Geräuschkulisse während der Chorwechsel anging – eher manchmal an einen Bahnhofsansager erinnerte.

Fehlte etwas? Kaum. Nachzuarbeiten wäre vielleicht bei der Organisation der von St. Petri verantworteten Cafeteria, die das Konzertpublikum versorgte – der Kaffee war teuer, und für den Kuchen des Autors wurden glatt 50 Prozent mehr als angeschrieben verlangt. Bei 5.000 bis 6.000 Besuchern, die an einer solchen Nacht teilnehmen, wäre eine Versorgung aus professioneller Hand schöner.

Trotzdem: Wenn alles gut geht, komme ich wieder. Und viele andere sicher auch.


Schöne Premiere

(13.6.14) Zum Nachbarschaftsbegrüßungsfest sangen gestern die Kinder- und Jugendkantorei St. Katharinen und St. Petri zusammen mit der verstärkten Hamburger Liedertafel von 1823 wieder einmal gemeinsam. Es war schön, ich wäre gern länger geblieben.


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Die Hauptkirche St. Petri ist am 14. Juni von 15 bis 24 Uhr Schauplatz für die „Nacht der Chöre“. Es musizieren 29 Ensembles Kirchenmusik aller Epochen; moderiert von Landeskirchenmusikdirektor Hans-Jürgen Wulf. Der Eintritt ist frei.


Heute mal anderswo Musik

(8.6.14) Heute war ich hier mal mit ein paar anderen singenderweise zugange. Kollege Matthias Claudius ist um die Ecke begraben.


Ein „Ohrwurm“

Gestern im Chor MEERSTIMMIG haben wir auch das hier gesungen:

Aber ein bisschen anders . . . .


Frühlingskonzert zum Mitsingen

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Die Hamburger Kinder- und Jugendkantorei St.Petri/St. Katharinen lädt für Sonnabend, 24. Mai um 17 Uhr zu einem Frühlingskonzert zum Zuhören und Mitsingen in die St.-Petri-Kirche ein. Wie Chorleiterin Sabine Paap mitteilt, wirken Kinder aus allen Gruppen mit – von den vierjährigen Zimbelsternchen bis zu den 13-jährigen aus der Currende. Es spielen Juli Linden (Violine), Alexander Mettmann (Klarinette), Philipp Linden (Klavier & Orgel). Auch die Hamburger Liedertafel von 1823, der älteste Männerchor der Hansestadt, wirkt mit. Neben bekannten Frühlings- und Sommerliedern („Alle Vögel sind schon da“) kommt auch Paul Gerhardt („Geh aus mein Herz, und suche Freud“) zu seinem Recht, außerdem gibt es Kanons, Quodlibets und Psalmlieder. Das Programm dauert etwa eine Stunde, der Eintritt ist frei.


Wo man singt . . . .

singt(17.5.14) Die Hamburger Liedertafel von 1823 ist seit einiger Zeit in einem Singenbündnis mit der Kinder und Jugendkantorei. Die Idee: Jüngere und Ältere singen zusammen und bereiten gemeinsam ein festliches Konzert vor. Dass dem gründliche, musikalische Arbeit vorausgeht, versteht sich.


Katharinen: lebendiger Raum

katharinen orgel und emporeEs gibt ja Menschen, die der Meinung sind, die sehr neue Orgelempore – gemessen am Alter von St. Katharinen – passe dort gar nicht hinein. Darauf kann man ja auch kommen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Orgel in Teilen eine Rekonstruktion ist, die noch dazu über eine heute wohl nur noch selten genutzte Stimmung verfügt. Ich teile die Ansicht über die Empore nicht: Sie zeigt, dass diese Kirche kein Museum (und übrigens auch kein Konzertsaal, der ab und zu zu Gottesdiensten dient)  – ist. Das Foto entstand am 10. Mai 2014, als ich mal kurz vorbeischaute.


Gedenken hört nicht auf

(9.5.14)Gestern eine Andacht mit Musik in Katharinen zum Gedächtnis an den 8. Mai, den Tag der Befreiung.


Zu selten: Kunst in der Kirche

(27.04.14) Heute fand ich die tollen Bilder von Pavel Ehrlich, die am vergangenen Wochenende während der Osterkulturnacht im Altarraum von St. Katharinen entstanden sind, im Umgang des Altarraumes „versteckt“. Auch seine Skulpturen sind noch zu sehen.
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Ostern in Katharinen: „Was für eine Nacht . . .“

(20.4.14)Nein, Konstantin Wecker und Ostern haben eigentlich wirklich nichts miteinander zu tun. Aber irgendwann musste ich doch an das Lied von der neuen Realität denken, wo es heißt: „Heute läßt mal jeder/den andern anders sein“. Die Exodus-Geschichte aus der Bibel als Beispiel dafür, wie Menschen sich durch das Ostergeschehen befreien lassen können – darum ging es im Groben. Wiederum mit Musik, Texten, Essen, Kunst und einem Gottesdienst am Morgen. War schön, dabei zu sein.


Größere Musik gibt es kaum

(18.4.14) Bachs Matthäuspassion wird heute abend in der Hamburger Katharinenkirche erklingen. Wie der Meister das dramatische Geschehen im Wechsel aus Chören, Rezitativen, Arien und Chorälen beschreibt, ist mit Worten eigentlich nicht wirklich auszudrücken. Das letzte Abendmahl, die Verhaftung in Gethsemanae, die intrigante Auslieferung an den römischen Statthalter Pontius Pilatus, das geifernde Volk („Lass ihn kreuzigen!“), die Erkenntnis verschiedener Beteiligter, mit wem sie es eigentlich zu tun hatten – wen das alles ungerührt lässt, der muss schon emotional ziemlich reduziert sein. Für mich jedenfalls ist das Karfreitagsgeschehen in dieser und einer anderen Musik zeitlos in Musik gesetzt.

Ach ja: Die Solistinnen und Solisten sind blendend, der Erwachsenenchor wirkte an manchen Stellen in der Probe ein wenig unkonzentriert, das Orchester machte seine Sache gut. Die Erwachsenen spendeten der Kinder- und Jugendkantorei von Katharinen und St. Petri, die das „Oh Lamm Gottes, undschuldig“ im Eingangschor übernommen hat, Beifall, und das zurecht.


Palmarum „Flashmob“

proze13.4.14 – Mit den Kindern der Kinder- und Jugendkantorei heute auf Prozession von Hamburg St. Petri über den Rathausmarkt in die Katharinenkirche. Viel Singen – und ein wunderbar unverkrampftes nach-außen-gehen. So etwas sollte es häufiger geben.


 

Kinder beleben den Gottesdienst

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Die Kinder und ihre Chorleitrerin beziehen immer wieder die Gemeinde mit ein.


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Singen kann jeder. Man bringt das Instrument schon von Geburt an mit. Spielerische Leichtigkeit und Konzentration lassen sich sehr gut miteinander verbinden.

(30.3.14) Bin gerade zurück von einem schönen Gottesdienst in St. Thomas (Hamburg-Rothenburgsort) mit Pastorin Cornelia Blum  und der Kinder- und Jugendkantorei aus Katharinen/Petri unter Sabine Paap. Die Gruppe war mtit Betreuern das ganze Wochenende in der Gemeinde zu Gast. Nicht nur die nahezu professionelle Konzentration und das durchgängige auswendig Singen, auch eine sehr klare Gestaltung des Gottesdienstes wussten zu überzeugen. Im Anschluss saßen wir bei schönstem Sonnenschein nebenan auf der Wiese.

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St. Thomas in Rothenburgsort.


Flohmarkt mit tollen Büchern

flohmarkt2Das macht Lust auf mehr!

Das Wochenende 15./16. März stand in der Hauptkirche St. Katharinen ganz im Zeichen eines tollen Büchermarkts: Romane, Biographien, Krimis, religiöse und historische Literatur, Kunst- und Musik, Kinder- und Jugendbuch, Spiele und CDs, zogen sehr viele Besucher an. Die Umsätze von knapp 2.000 € kommen der Hamburger Kinder- und Jugendkantorei zugute.
Die Atmosphäre war besonders: Nicht nur, dass sich auf einer Länge von fast zehn Metern alles fand, was das Herz begehrt, auch die Zustimmung, das Interesse der Leute und – nicht zuletzt – das nebenan betriebene, choreigene Café gaben diesem Wochenende eine ganz eigene Gestalt.
Wer hätte gedacht, dass in der vernetzten Welt das Interesse an richtigen Büchern noch so groß ist? Kann man da nicht mehr machen? Wegen der Bücher, wegen der Kinder, und überhaupt?flohm hdr


Der Bücherflohmarkt für die Kinder- und Jugendkantorei verspricht, ein Erfolg zu werden.

Auch das gehört zur Kulturarbeit

Bücher sortieren, Waffeln backen, mit Leuten reden, verkaufen: Der seit gestern laufende Flohmarkt für die Kinder- und Jugendkantorei von Katharinen und Petri in Hamburg verspricht, ein Erfolg zu werden. Und es macht Spaß, mitzumachen.


So kann man auch
Aschermittwoch feiern

In Katharinen wurde wieder eine Kulturrevue  veranstaltet – Musik, Kabarett, Nachdenken – ausgezeichneter Besuch

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Matthias Schriefl erwies sich am Aschermittwoch in Katharinen als exzellenter Musiker, der nicht nur sein Alphorn, sondern auch Trompete und Kornett ausgesprochen virtuos zum Klingen bringen konnte. Bild: fbt
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Pastor Frank Engelbrecht als slapstickender Flipchartbeschreiber. Bild: fbt

Wie feiert man „richtig“ Aschermittwoch? Seit dem 5.3.2014 gibt es eine neue Variante im Vielerlei aus buntem Bierzeltspiel, kontemplativen Gottesdienst und einem Tag wie jedem anderen. Der Titel noch etwas sperrig („Wahrhaft unvernünftig – wunderbar verworren – herrlich schräge“), die Qualität überwiegend hoch und, immerhin, auch eine neue Variante im Umgang mit dem so schön sanierten Kirchenraum. Wie das jetzt in die traditionsreichen Gottesdienste der Gemeinde weitergereicht wird, ist eine spannende Frage.
Im Kern gab es zwei Pole. Sprecherin Marion Gretchen Schmitz – sie wusste zumeist Bekanntes so sorgfältig zu phrasieren, dass es wie neu klang – und Pastor Frank Engelbrecht lasen bzw. kommentierten Bibeltexte zum Thema. Kabarettist Lutz von Rosenberg Lipinsky kommentierte, zuweilen mit vorhersehbaren Pointen, das evangelische Selbstverständnis und „unser“ Verhältnis zur Welt. Die wirklich exzellenten Musiker Matthias Schriefl (Alphorn (!), Trompete, Kornett), Daniel Stickan (Orgeln, Flügel, Toy Piano) und Uwe Steinmetz (Saxophon, Orkon) setzten die musikalischen Zwischenpunkte. Großartig blueste es da am Anfang mit Lipinsky als Sänger, Bachs Genius wurde einmal mehr mit einer rückwärts gespielten Toccata deutlich, Schriefl improvisierte allein (mit Loop-Station), zusammen mit Steinmetz und im Trio.
Gab es eine Botschaft? Schon: Verrückt sein ist notwendig. Schön die Geschichte, als Jesus einen Mann mit 2.000 Geistern so heilte, dass sie in eine Sauherde fuhren (welche Krankheit mag das gewesen sein?). Die Folge: Der Unbequeme wurde vertrieben, der Geheilte musste bleiben.

Die Frage, ob man sowas denn in einer Kirche machen „darf“, erübrigt sich wohl. Katharinen hat ins einer über 700-jährigen Geschichte schon eine Menge gesehen – das ist noch der harmlose Grund. Deutlich spürbar ist, dass die Macher der Kulturnächte (die nächste ist in der Nacht zu Ostern am selben Ort) keine Trennung zwischen den Sonntagsgottesdiensten und solchen Kulturveranstaltungen sehen. Das Publikum war zum Teil dasselbe, der eine oder andere Theologe wurde überdies ebenfalls gesichtet. Nachdenkenswert ist allerdings, ob es wirklich eine so vielfältige Palette verschiedener Akteure – und damit Handschriften, Stile, Kunstverständnisse sein „muss“ – wäre Konzentration auf Weniger nicht vielleicht mehr?


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